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REBEKA goes Bevölkerungsschutzmagazin (04/169: "Engagement.Einsatz.Ehrenamt")

In der Ausgabe zum Thema "Engagement.Einsatz.Ehrenamt" des vierteljährlich vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz herausgegebenen Bevölkerungsschutz-Magazins konnte REBEKA vom THW vorgestellt werden.

Was bedeutet es für die Helfer, wenn ein Starkregen die eigene Unterkunft überflutet (Foto: Hendrik Feldmann, THW OV Rheine)

Auf der Ebene der personellen Resilienz steht die „Einsatzkraft“ Mensch im Fokus. (Foto: THW)

Eigene Widerstandsfähigkeit stärken

REBEKA – Forschungsprojekt zur Widerstandsfähigkeit von Helfern

Das Forschungsprojekt „Resilienz von Einsatzkräften bei eigener Betroffenheit in Krisenlagen“ (REBEKA) will aufzeigen, wie die Leistungsfähigkeit von Einsatzorganisationen auch dann gewährleistet werden kann, wenn diese gleichzeitig selbst von dem Schadenereignis betroffen sind. Dazu erforschen die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH), das Technische Hilfswerk (THW), die Freie Universität Berlin, das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart (IAT) und die Technische Hochschule Wildau bis Ende 2018 gemeinsam, wie sie die Widerstandsfähigkeit von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben stärken können.

Der deutsche Bevölkerungsschutz stützt sich größtenteils auf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in den ver­schiedenen Einsatzorganisationen, wie den Hilfsorganisationen, den Feuerwehren und dem THW. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte bilden demnach das Rückgrat zur Bewältigung von Großschadenlagen. Insbesondere in langanhaltenden Krisenlagen ist nicht ausgeschlossen, dass die ehrenamtlichen Einsatzkräfte oder deren organisationsinterne Infrastruktur selbst von dem Schadenereignis betroffen sind. Was bedeutet es für die Helferinnen und Helfer, wenn beispielsweise ein Starkregen die eigene Unterkunft überflutet? Wenn zu Hause die eigenen Keller volllaufen oder versperrte Straßen die Anfahrtswege blockieren? Oder wenn durch einen Ausfall des Stromnetzes sämtliche IT-Anwendungen der Einsatzorganisationen nicht mehr funktionieren? Dazu kommen die Anforderungen des (Groß-)Einsatzes selbst, sodass die Einsatzkräfte eventuell unter erheblicher Belastung stehen: Wenn zum Beispiel der eigene Heimatort zerstört ist, kann dies zu einem enormen Anstieg des persönlichen Stresslevels füh­ren. Schlimmstenfalls könnten einzelne Einsatzkräfte ausfallen und Einsätze nicht mehr effizient abgearbeitet werden – die Hilfeleistung wäre eventuell nicht mehr in vollem Umfang garantiert.

Vergangene Schadenereignisse haben gezeigt, dass die BOS immer häufiger mit Bürgerinnen und Bürgern ohne Einsatzerfahrung, den „Spontanhelfern“, konfrontiert werden. Diese wollen die Einsatzkräfte im Bereich der Gefahrenabwehr insbesondere in einer solchen Schadenlage aktiv unterstützen. Obwohl in diesem Bereich bereits eine intensive Diskussion und Forschung stattfindet, besteht auch weiterhin Bedarf an einer umfassenden Integration in die Prozesse und Strukturen der Einsatzorganisationen. Vor dem Hintergrund eventuell ausgefallener organisati­onsinterner Ressourcen stellt sich dazu die Frage, inwieweit diese Akteursgruppe den Bevölkerungsschutz zukünftig wirksam unterstützen kann.

„Resilienz“ als ganzheitlicher Ansatz

Hier setzt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt REBEKA an: Ziel des dreijährigen Forschungsprojektes ist, die Resilienz der Einsatzorganisationen im Bevölkerungsschutz grundsätzlich zu erhöhen. Dabei werden Mittel und Wege erforscht, um den Ausfall von erforderlichen Ressourcen zu kompensieren. Durch die Entwicklung von innovativen Lösungskonzepten, Handlungsempfehlungen und Ausbildungsunterlagen möchte REBEKA nicht nur einen Beitrag für alle

BOS leisten, sondern letztendlich auch die Bevölkerung in langanhaltendenden Krisenlagen anpassungs- und widerstandsfähiger zu machen. Das Projekt betrachtet dabei die drei verschiedenen Ebenen „Akteure“, „Ressourcen“ sowie „Strukturen und Prozesse“ hinsichtlich personaler, organisationaler sowie überorganisationaler Aspekte. REBEKA sieht Resilienz in einem ganzheitlichen Rahmen: Im Sinne des Bevölkerungsschutzes als Widerstandsfähigkeit gegenüber katastrophalen Ereignissen verstanden, soll die Resilienz in REBEKA nicht alleine auf die erfolgreiche Lagebewältigung unmittelbar nach einem Eintritt eines Schadenereignisses bezogen werden. Es geht darum, Katastrophen zu vermeiden, sich auf Einsätze vorzubereiten, den Normalzustand wiederherzustellen und aus vergangenen Ereignissen zu lernen. Zur langfristigen Steigerung der Resilienz sollen die drei betrachteten Teilelemente „Akteure“ (Einsatzkräfte, Spontanhelfer), „Ressourcen“ (Fahrzeuge, Gebäude, etc.) sowie „Strukturen“ (Aufbauorganisationen, Dienstvorschriften, etc.) und Prozesse (Meldewege, Einsatzabläufe, etc.) in Interaktion miteinander „resilienter“ gestaltet werden.

Organisationsinterne sowie systemische Resilienz erhöhen

Auf der Ebene der personellen Resilienz steht das Individuum „Einsatzkraft“ als Mensch im Fokus: Hier wird untersucht, wie Einsatzkräfte vor dem Hintergrund einer möglichen eigenen Krisenbetroffenheit als Bürger agieren sowie durch persönliche und organisationale Maßnahmen besser auf diese „Doppelrolle“ vorbereitet werden können. Die Untersuchungen zu den Prozessen und Strukturen sollen vor allem bestehende Abläufe analysieren und eventuelle Schwachstellen aufdecken. Somit können die Organisationen zukünftig effizienter auf Ausfälle bei eigener Betroffenheit reagieren. Weiterhin sollen eventuelle Kompensationsmöglichkeiten durch die Einbindung von Spontanhelfern beim Ausfall von Einsatzkräften untersucht werden. Dabei stehen nicht nur die Personalprozesse der BOS, sondern auch die individuellen Beweggründe für ein kurzfristiges Engagement im Katastrophenschutz im Fokus. Insgesamt sollen die Ergebnisse der drei untersuchten Ebenen in die Schulungs- und Informationsunterlagen einfließen. Neben Handlungsempfehlungen zur Resilienzsteigerung entwickelt das Projekt auch Einsatzkonzepte zur Aufnahme und Steuerung von Spontanhelfern sowie Ausbildungskonzepte für Einsatzkräfte und Spontanhelfer. Die Endanwender JUH und THW unterstützen vor allem die Übertragung der Ergebnisse in die Praxis. Dazu werden die zugrundeliegenden Forschungsszenarien erstellt sowie Schulungs-und Informationsunterlagen entwickelt und getestet. In der letzten Projektphase sollen diese in zwei großen Evaluationsübungen angewendet und überprüft werden. Weiterhin wird durch eine ständige Vernetzungs-und Öffentlichkeitsstrategie sichergestellt, dass die Ergebnisse direkt in die Praxis einfließen können. Der Schwerpunkt liegt insbesondere in dem ständigen Diskurs mit ehrenamtlichen organisationsinternen und -externen Experten.

Anwendung und Evaluation im Rhein-Kreis Neuss

Bisher werten die Projektpartner die mittels Literaturrecherchen und Experteninterviews gesammelten Daten aus und fassen diese zusammen. Als Referenzkreis konnte der Rhein-Kreis Neuss gewonnen werden – hier werden derzeit erste Zwischenergebnisse mit den Helferinnen und Helfern diskutiert. Darüber hinaus finden innerhalb des Referenzkreises auch die geplanten Evaluationsübungen statt. Für den weiteren Projektverlauf sind aktuell größere Erhebungen zu Belastungen von Einsatzkräften sowie der individuellen Beweggründe von Spontanhelferinnen und -helfern geplant. In der zweiten Projekthälfte geht es vor allem um die Überführung der Ergebnisse in umsetzbare Schulungskonzepte und deren Anwendung. Fortlaufende Informationen über REBEKA finden Sie auf der Internet­seite www.rebeka-projekt.de